Gesundheit: Vorhautverengung/Phimose/


Brückenbauer Nr. 37, 08.09.1998

 

Wenn's vorne zu eng wird

Zahlreiche junge Männer leiden unter einem medizinischen Problem, über das sie nicht gerne sprechen: die Vorhautverengung.

Kaum war eine Infektion abgeklungen, begann das Jucken und Brennen beim Wasserlösen schon wieder. Salben gegen Pilzinfektionen wurden zu Martins* ständigen Begleitern. Dass seine Vorhaut eine Spur zu eng war, daran hatte er nie gedacht. Schliesslich hatte er nie Probleme beim Geschlechtsverkehr.

Doch durch die wiederkehrenden Entzündungen wurde die Vorhaut langsam immer enger - die Infektionen nahmen zu: Ein Teufelskreis hatte begonnen. An seinem 45. Geburtstag entschloss sich Martin endlich zur Beschneidung.

Schmerz statt Lust

Martin ist kein Einzelfall. Der Zürcher Urologe Urs W. Egli sieht in seiner Praxis vor allem Jugendliche und Männer über 40 mit dem Problem einer (zu) engen Vorhaut. Bei den Jugendlichen sind es diejenigen, die eine echte, eine sogenannte primäre Phimose haben. Das heisst, dass sie ihre Vorhaut nie zurückziehen konnten. Eigentlich hätten solche Jungen bereits als Kleinkind operiert werden sollen.

Denn besteht nur eine minime Verengung, lässt sich beim erschlafften Glied die Vorhaut ohne Probleme zurückziehen. Dem Kinderarzt fällt unter Umständen das Problem deshalb nicht auf.

Beginnt der Heranwachsende in der Pubertät mit seinem Glied zu spielen, endet der Versuch der Selbstbefriedigung statt lustvoll mit Schmerzen. «Das verunsichert den Jugendlichen enorm, da er ja nicht weiss, wie es sein sollte.

Statt im stillen Kämmerlein immer wieder zu probieren und sich zu fragen, ob wohl mit seinem Geschlechtsorgan etwas nicht in Ordnung sei, rate ich zum Besuch beim Hausarzt», sagt Urologe Egli. Ist die Vorhaut tatsächlich ein wenig zu eng, empfiehlt Urs Egli in jedem Fall eine Operation.

«Die Gefahr, dass es beim Geschlechtsverkehr zu kleinen Einrissen und nachher zur Infektion und Narbenbildung kommt, ist gross. Jedes Narbengewebe ist härter und enger als das ursprüngliche Gewebe und verkürzt sich.

Dadurch nimmt das Problem über die Jahre zu. Und eines Tages hat der Mann dann eine sekundäre Phimose, die er operieren lassen muss.»

Eine Beschneidung mit 45 geht nicht spurlos am Ego eines Mannes vorüber. «Die erste nächtliche Erektion nach der Operation war schlimm. Und als ich mein beschnittenes Glied zum ersten Mal bewusst angeschaut habe, ist mir gar übel geworden», erinnert sich Martin. «Verfärbt und geschwollen war der Penis.»

Offenes Gespräch

Nur sehr langsam getraute er sich, sein Glied wieder zu berühren, das sich nun ganz anders anfühlte - vor allem bei der Selbstbefriedigung. Um solche Ängste abzubauen, ist für den Urologen Urs W. Egli ein offenes Gespräch, gerade auch zu diesem Thema, selbstverständlich. (Lesen Sie dazu den Kasten «Die Beschneidung».)

Christine Flunser


Die Beschneidung

Bei primären Phimosen wird dadurch Geschlechtsverkehr erst möglich.

Infektionen kommen praktisch nicht mehr vor.

Weil die Eichel weniger empfindlich ist, lässt sich der Geschlechtsverkehr länger geniessen.

Beschnittene Männer bekommen keinen Peniskrebs.

Partnerinnen erkranken seltener an Gebärmutterhalskrebs.

Ch.F.